Prof. Dirschka vom Fachjournal „Der Deutsche Dermatologe“ zum Thema „Liposuktion“ interviewt

Bei der Liposuktion ist eine exakte OP-Planung enorm wichtig. Wird zuviel Fett abgesaugt, entstehen Dellen, die sich kaum korrigieren lassen

Liposuktion Ersetzt Keine Diaet

Prof. Dirschka vom Fachjournal „Der Deutsche Dermatologe“ zum Thema „Liposuktion“ interviewt

Schnell und ohne große Anstrengung zur Wunschfigur – das klingt für viele verlockend. Die Liposuktion ist aber keine Wellness-Anwendung und birgt wie jeder medizinische Eingriff Risiken. Als relativ sicher gilt allgemein das Tumeszenzverfahren, vorausgesetzt man hält sich an gewisse Spielregeln.

Welche das sind, erklärt Professor Thomas Dirschka.

? Herr Professor Dirschka, die ambulante Liposuktion gehört zum Leistungsspektrum Ihrer Praxis. Wie häufig wird der Eingriff nachgefragt?

Dirschka: Etwa fünf bis zehn Patienten pro Woche sprechen mich darauf an. Für eine nicht explizit auf die ästhetische Dermatologie ausgerichtete Praxis sind das überproportional viele.
Mit den geeigneten Marketingstrategien ließe sich die Nachfrage zweifelsfrei steigern.

? Wie realistisch sind die Erwartungen Ihrer Patienten?

Dirschka: Manche erhoffen sich eine Gewichtsreduktion. Das kann die Methode nicht leisten. Wer zu viele Pfunde auf die Waage bringt, kann sich mit Hilfe der Liposuktion nicht auf Normalgewicht trimmen lassen.
Die Liposuktion ist vielmehrein Verfahren, um Konturunregelmäßigkeiten oder Fettverteilungsstörungen auszugleichen. Typisches Beispiel ist die normalgewichtige Frau mit schmaler Taille,aber umfangreichen Reiterhosen.

? Welches Liposuktionsverfahren bevorzugen Sie?

Dirschka: Wir verwenden die klassische Tumeszenzliposuktion und das VibraSat Verfahren, eine Modifikation der klassischen Methode.
Bei beiden wird das Fett über kleine Kanülen mit einem Durchmesser von zwei bis vier Millimeter und 24 Löchern am vorderen Ende abgesaugt.
Bei der klassischen Tumeszenzliposuktion wird die Kanüle von Hand im Fettgewebe hin- und hergeführt. Bei der Vibra-Sat-Technik steckt die Kanüle auf einer Art elektrischen Zahnbürste, die die Kanüle in Schwingung versetzt. Die Vibration erleichtert das Absaugen, und der Operateur muss im Fettgewebe nicht so herumstochern. Wegen des recht schween Motors bevorzuge ich allerdings das klassische Verfahren. Hinsichtlich der Operationsergebnisse unterscheiden sich beide Techniken nicht.

? Stehen noch andere Verfahren zur Verügung?

Dirschka: Eine Zeit lang war die Ultraschallliposuktion beliebt. Mit dem Ultraschallkopf, der vorne an der Kanüle sitzt, lässt sich das Fettgewebe gut aufweichen.
Allerdings müssen die Hautschnitte deutlich größer sein, um die Kanüle samt Ultraschallkopf einführen zu können. Und man riskiert Verbrennung, wenn der Schallkopf der Lederhaut zu nahe kommt.

Dann gibt es noch die Wasserstrahl- und die Hochfrequenzliposuktion. Alle Methoden basieren jedoch auf demselben Prinzip: Aufpumpen des Gewebes, Anspannen der Lipozyten, Absaugen mit möglichst kleinen Kanülen. Alles Weitere ist eine Beigabe, die nach meiner Meinung für das Ergebnis nicht entscheidend ist.

? Würden Sie bitte den Ablauf einer klassischen Tumeszenzliposuktion skizzieren?

Dirschka: Zunächst wird mit einer Rollerpumpe Flüssigkeit in das Fettgewebe gepumpt. Sie enthält Adrenalin, um Blutungen zu vermeiden, sowie ein Lokalanästhetikum und Natriumbikarbonat, das antiseptisch wirkt. Einige setzen noch Cortison zu, das soll Schwellungen vorbeugen. Die Flüssigkeit betäubt die Region und treibt die Fettzellen auseinander, damit sie später besser abgesaugt werden können. Wie viel infiltriert werden muss, hängt von der Lokalisation ab. Die zu behandelnde Region sollte danach die Konsistenz einer sehr reifen Melone haben. Bei der Patientin mit Reiterhose muss pro Seite mit etwa zwei Liter gerechnet werden. Soll zusätzlich auch an der Hüfte Fett abgesaugt werden, braucht man fünf Liter. Damit die Medikamentenbelastung nicht zu hoch wird, dürfen nicht zu viele Areale gleichzeitig abgesaugt werden. Auch bei der Fettmenge gibt es ein Limit: maximal fünf Prozent des Körpergewichts. Wer Reiterhosen, Hüfte, Bauch und Oberschenkelinnenseiten modellieren lassen möchte, braucht mehrere Termine.

? Wenn alle Verfahren auf demselben Prinzip basieren, sind dann die Risiken vergleichbar?

Dirschka: Ja. Doch anders als die Fettabsaugung in Vollnarkose, birgt die Tumeszenzmethode wenig Risiken, vorausgesetzt man infiltriert nicht zu viel Flüssigkeit, saugt nicht zu viele Areale gleichzeitig ab und behandelt keine Patienten mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder KHK. Auch bei Menschen mit einem Glukose-6-Dehydrogenase-Mangel und infolgedessen erhöhten Met-Hämoglobin-Werten ist Vorsicht geboten. Das Lokalanästhetikum forciert zusätzlich die Met-Hämoglobin-Bildung, und die Patienten drohen innerlich zu ersticken. In den USA wurde zwar mehrfach über Todesfälle in
Folge einer Liposuktion berichtet, doch alle Patienten ließen sich unter Vollnarkose absaugen und waren entweder schwer übergewichtig oder litten an Diabetes oder KHK. Ein großes Risiko der Tumeszenzliposuktion im Hinblick auf den ästhetischen Erfolg ist die Übersaugung.
Wird zuviel Fett abgesaugt, bleiben Dellen zurück, die sich kaum korrigieren lassen.
Umso wichtiger ist eine exakte OPPlanung, etwa mit der sogenannten Buttermethode: Dabei schätzt man, wie viele Päckchen Butter der abzusaugenden Fettmenge entsprechen und notiert das Volumen.
Dann zeichnet man die Areale ein. Areale, die besonders stark bearbeitet werden müssen, werden – ähnlich einem Tiefdruckgebiet auf einer Wetterkarte – mit vielen kleinen Kreisen markiert, Areale, bei denen nur wenig Fett entfernt wird, mit größeren. Das ist deshalb wichtig, da sich nach dem Absaugen noch eine Menge Flüssigkeit im Gewebe befindet und die Endkontur nicht erkennbar ist. Erst wenn die Flüssigkeit innerhalb der nächsten 24 Stunden abläuft, lässt sich das Ergebnis erahnen.

? Wie geht es nach dem Eingriff weiter, wie aufwendig ist die Nachsorge?

Dirschka: Nach der Liposuktion müssen sich die Patienten etwa eine Stunde in der Praxis ausruhen, ehe sie nach Hause gehen. Während der ersten 24 Stunden rinnt noch Flüssigkeit aus den Absaugarealen, das kann etwas unangenehm für die Patienten sein. Schmerzmittel sind in der Regel nicht nötig. Am Tag nach der Operation kontrollieren wir die Hautschnitte und stellen sicher, dass die Flüssigkeit abläuft. Die meisten sind am Tag nach dem Eingriff körperlich kaum mehr eingeschränkt und können schon wieder in Maßen Sport treiben. Eine Woche lang müssen die Patienten Tag und Nacht ein Kompressionsmieder tragen, anschließend für weitere drei Wochen am Tag oder in der Nacht. Ohne Kompression wächst unter Umständen die Haut nicht glatt an, und es bleiben Dellen zurück. Bis der Heilprozess abgeschlossen ist, vergehen acht bis zwölf Wochen.

? Welchen Patienten raten Sie von dem Eingriff ab?

Dirschka: Patienten mit unrealistischen Vorstellungen, etwa aufgrund einer körperdysmorphen Störung, sollte man keinesfalls behandeln. Auch Patienten mit Übergewicht, Diabetes oder mit koronarer Herzerkrankung würde ich abraten.

? Ist Liposuktion für den Niedergelassenen ein attraktives Leistungsangebot?

Dirschka: Die Liposuktion ist sicherlich nichts für jeden Dermatologen, sondern nur für operativ erfahrene Ärzte, die bereit sind, sich intensiv fortzubilden. Das lernt man nicht an einem Wochenende.
Die Technik erfordert viel Erfahrung und eine gewisse künstlerische Begabung. Lukrativ ist die Liposuktion aber allemal.
Der Eingriff dauert ungefähr zwei bis drei Stunden und schlägt bezüglich Materialund Personalkosten mit etwa 1.500 Euro zu Buche.
Die Preise für eine Liposuktion liegen je nach abgesaugtem Areal zwischen 2.500 und 5.000 Euro. Die Preisspanne variiert je nach Region, in München kostet eine Liposuktion deutlich mehr als in Flensburg.

Das Interview führte Dr. Dagmar Kraus.